06.04.2017

Gottesdienst in der Disco

Fastenserie: Wir greifen das Fasten-Motto von Misereor auf „Die Welt ist voller guter Ideen. Lasst sie wachsen“ und fragen uns: Wo sind solche Ideen? Diese Woche stellen wir einen überkonfessionellen Jugendgottesdienst in Fulda vor.

Björn Hirsch in einem Gewölbekeller Foto: ALl for One
Das Kreuz ist mit dabei:   Björn Hirsch bei einer Vorbereitungsparty mit
50 Jugendlichen für den Gottesdienst im Mai im  All-for-One-Gewölbekeller.
Dieser soll bald zu einem Gebetskeller werden. | Foto: All for One

Der 33-jährige Björn Hirsch aus Herne hat in Fulda das überregionale ökumenische Netzwerk ALL FOR ONE („Alle für einen“)gegründet. Zusammen mit 70 Jugendlichen organisiert er am 13. Mai den überkonfessionellen Jugendgottesdienst B.A.S.E. im „S-Club“, einer Diskothek in Fulda.

Können Sie uns kurz erklären, was es mit B.A.S.E. auf sich hat? Was ist das? Wer hat es gegründet und wozu?

Zwei Brüder, Thomas und Jonathan Enns, und Florence Joy nach Erfolgen in Casting Shows.Unter anderem standen die Brüder bei der vierten Staffel (2007) von „Deutschland sucht den Superstar“ im Finale. Sie gründeten zunächst die BASE Jugendarbeit, aus der dann die Band Könige&Priester entstanden ist. Ihr Ziel war, ihre Bekanntheit zu nutzen, um für ihren Glauben zu werben. Zur Zeit organisieren sie Konzerte in Köln und Frankfurt mit bis zu 1300 Besuchern. Ab Mai kommt Fulda hinzu.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich bin seit 2015 in Fulda als Pastoralreferent für Citypastoral zuständig und damit auch für junge Menschen, die eher nicht in die Kirche gehen. Von Anfang an habe ich zusammen mit evangelischen Kirchen, aber auch mit den Freikirchen in Fulda Fahrten zu großen christlichen Veranstaltungen in ganz Deutschland mit Jugendlichen organisiert. Irgendwann kam die Frage: Können wir so was nicht auch mal bei uns organisieren?

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie, und wie organisieren Sie den Gottesdienst?

Wir rechnen mit etwa 500 bis 600 Gästen. Die Organisation ist wirklich viel Arbeit, aber es ist kein Problem, Jugendliche zur Mitarbeit zu bewegen. Im Moment sind ungefähr 70 junge Menschen in zehn Teams dabei, das alles zu organisieren.

Wie läuft das ab?

Die ganze Veranstaltung ist als Wertschätzung für die Jugend gedacht. Deshalb rollen wir einen roten Teppich aus, bilden ein Spalier und begrüßen die Gäste mit einer La-Ola-Welle. Dann gibt es viel gute und schnellere Musik von Könige&Priester. Anschließend folgen eine Predigt von Pastor Marcus, dem „breitesten Pastor Deutschlands“, und eine Gebetszeit. Hinterher kann sich jeder einzeln segnen lassen. In einer Connect Lounge finden sich Gleichgesinnte im Gespräch zusammen. Aber es sind auch Mitarbeiter der Kirche da, um seelsorgerische Gespräche zu führen. Die Heilige Schrift und Karten mit den Namen und Kontaktdaten von Mitarbeitern für weitere Gespräche liegen aus.

Wer kommt zu so einer Veranstaltung?

Das ist wirklich sehr vielfältig. Natürlich alle, die sowieso schon etwas mit Kirche zu tun haben und sich dafür interessieren, aber vielleicht nicht in Gottesdienste gehen. Aber auch Menschen, die nur neugierig sind. Viele bringen zudem Freunde mit, die ansons- ten kirchenfern sind. Das ist ganz bunt, vor allem, weil man in der Menge ja auch anonym bleiben kann, ist die Hemmschwelle eher niedrig.

Gibt es Nachfolgeveranstaltungen für Interessierte?

Ja, klar. Wer möchte, kann zu den Glaubenskursen kommen. Die finden wie alle unsere Veranstaltungen nicht in kirchlichen Räumen, sondern in Studentenkneipen in Fulda statt. Das ist so ein citypastoraler Grundsatz von mir – ich mache nichts in der Kirche. Wer dann immer noch dabei bleibt, der kann sich einer Gemeinde anschließen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ökumene und zu Freikirchen?

Ich habe da überhaupt keine Berührungsängste. Ich finde es auch nicht wichtig, ob jemand nach so einer Veranstaltung – oder überhaupt – sich einer evangelischen oder einer freikirchlichen Gemeinde anschließt. Jeder soll da hin gehen, wo er sich am Besten aufgehoben fühlt. Für mich steht die Frage im Zentrum: „Wie geht es den Menschen in 20 Jahren?“ Diese ganze Zerstrittenheit zwischen den Kirchen kann ich nicht nachvollziehen. Für mich ist völlig klar, dass wir nicht eine Kirche sein können, die Liebe predigt, wenn wir untereinander streiten. Johannes 17.20 f ist da für mich maßgeblich.
Interview: Barbara Brüning

 

Zur Sache: Lebenswelt der jungen Leute

ALL FOR ONE ist ein überkonfessionelles Netzwerk im Bistum Fulda mit einem Programm für Jugendliche, das an der Lebenswelt von jungen Menschen ausgerichtet ist. Die Resonanz bei anderen christlichen Gemeinden in Fulda war positiv. Die Gründung fand im Oktober mit 300 Jugendlichen statt. (brü)